Nach dem Erfolg des Allwetterbades, das mit seiner Luftkissenüberdachung die erste Konstruktion solcher Bauart in der ganzen Bundesrepublik war, entwickelte die Firma Krupp in Essen im Jahre 1974 eine neue Freilufthalle mit einem Außendurchmesser von 36 Meter. Im Innenraum führt, um eine kreisförmige 20 Meter durchmessende Grundfläche, eine zweistöckige Galerie, die durch zwei Wendeltreppen zu erreichen ist. Dieses Modellprojekt erhielt nach der Fertigstellung den Namen 'Freizeithaus' und sollte für Veranstaltungen jeglicher Art geeignet sein.

Die karnevalistische Geschichte der "Dampfnudel"

Der Ausdruck Dampfnudel steht in diesem Fall nicht für einen kulinarischen Leckerbissen, wie er in der Pfalz verbreitet ist, sondern ist die volkstümliche Bezeichnung des Austragungsortes vieler kultureller Veranstaltungen in Rülzheim.

Doch wollten die örtlichen Vereine zuerst keinen Gebrauch von dieser neu gebauten Halle machen, da ihnen die Miete zu hoch erschien und das Risiko die Halle zu füllen, zu groß war. Auch die Karnevalsgesellschaft entschied sich nach einer Begehung des Freizeithauses für ein klares 'nein', wie einem Protokoll aus dem Jahre 1975 zu entnehmen ist. Doch dieser Beschluss hatte nicht lange Bestand, denn nach langen Verhandlungen mit der Gemeinde, gelang es eine Vereinbarung zu treffen um die Vereinskasse zu schonen. Somit war der Weg für die Durchführung des ersten Krönungsballs im Freizeithaus frei. Dieser Ball war ein durchschlagender Erfolg, darum entschloss man sich noch im selben Jahr den Prinzenball, den Kostümball und einen Rosenmontagsball im Freizeithaus durch zu führen. Mit diesen Veranstaltungen begann für die KGR eine neue Epoche, fanden die Veranstaltungen des Vereins in den Anfangsjahren in verschiedenen Gaststätten und später in der Schulturnhalle statt, so blühte der Verein mit dem Wechsel von der Turnhalle ins Freizeithaus weiter auf. Denn nun gab es die Möglichkeit, Dekoration und Bühne in Ruhe aufzubauen und es konnten auch Proben vor den Veranstaltungen abgehalten werden.

Eines hatten die Erbauer des Freizeithauses jedoch nicht bedacht, es gab keine fest installierte Ton- und Lichttechnik in der Halle. Deshalb ging die Technikergruppe des Karnevalsvereins an die Installation einer Verstärker- und Lichtanlage. Auch in den folgenden Jahren investierte die KGR noch zahlreiche Arbeitsstunden und viel Geld in den Innenausbau der Halle, so dass es für die karnevalistischen Veranstaltungen bestens geeignet war.

Im Jahre 1976 fanden dann auch die Prunksitzungen im Freizeithaus statt. So konnte man auch auf dem Hausorden dieses Jahres das Motto lesen 'An Fastnacht Toben wir uns aus, im neuen Rülzheimer Freizeithaus'. Doch die Rülzheimer Narren waren nicht faul und hatten auch gleich einen Spitznamen für ihre neue Wirkungsstätte gefunden. So war auf diesem Orden der das Freizeithaus zeigte auch schon der Name 'Dampfnudel' zu lesen. Welcher auch jahrelang mit einem Transparent, den Eingang zur Halle zierte. Mit den Jahren wurde dieser Name auch weit über die Rülzheimer Grenzen bekannt, beschreibt er doch plastisch das Aussehen der weißen, aus Polyestergewerbe bestehend Luftkissenhülle.

Im Jahre 1978 wurde auch das Kindermaskentreiben, das als letzte Veranstaltung in der Schulturnhalle verblieben war, in der Dampfnudel durchgeführt. Für diese Kampagne wurde auch für mehrere tausend Mark eine neue Dekoration für die Halle gekauft. Doch diese hielt nur bis 1980, denn inzwischen waren die karnevalistischen Veranstaltungen in der Dampfnudel schon weit über Rülzheim hinaus bekannt. Es kamen immer mehr Menschen zu den Veranstaltungen der Endrunde, um den Rülzheimer Narrentempel zu bestaunen und die einmalige Atmosphäre dieser Halle mit zu erleben. So gab es im Rülzheimer Hexenkessel heiße Rhythmen, was nicht nur die Besucher ins schwitzen brachte, sondern auch die Hallendecke. Als Höhepunkt der Veranstaltungen fing dann die Decke an zu tropfen, so dass Papiergierlanden nass wurden und stellenweise auf den Boden fielen. Für die nächste Kampagne wurde eine neue wasserfeste Dekoration angeschafft.

Im Jahre 1982 kam eine weitere Veranstaltung im närrischen Terminkalender der KGR hinzu, der Tanz am Schmutzigen Donnerstag.

1983 wären jedoch beinahe alle Veranstaltungen in der Dampfnudel ausgefallen, hatte doch im Sommer ein Blitz das Luftkissen zerstört. Doch bis zum Start der neuen Saison glänzte sie schon wieder im neuen Glanz. Und so schmückte eine zusammengefallene Dampfnudel den Jahresorden 1983, mit dem Spruch 'Ein Blitzschlag setzt ganz behände, Der Dampfnudel ein gar schnelles Ende - Entlüftet liegt sie hier auf Erden, doch sie soll schöner als zuvor werden!'

1988 wurde der Dampfnudel von Kurt Kupper u. Günter Dudenhöfer sogar ein eigener Song geschrieben, das Dampfnudellied.

Dampfnudel mit eingestürzer Hülle

Zehn Jahre später, Ende November des Jahres 1993 ereilte die Halle ein ähnliches Schicksal wie 1983. Ein starker Sturm riss das Hallendach weg. In Rekordzeit wurde jedoch ein neues Dach gefertigt und montiert, so dass Prunksitzungen der Karnevalsgesellschaft wie geplant stattfinden konnten.

Die Gemeinde Rülzheim ermöglichte den Vereinen mit dem Bau dieser außergewöhnlichen Halle die das Durchführen von kulturellen Veranstaltungen und die damit verbundene weitere Entfaltung des Rülzheimer-Vereinslebens. Auch die KGR konnte durch diese Nutzung weiter aufblühen.

In der zweiten Hälfte des ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausend kamen immer mehr Stimmen auf, die eine Renovierung der Halle fordern. Der 2. OG durfte schon lange nicht mehr benutzt werden, weil der Brandschutz Verordnung dies untersagte. Insbesondere die WCs waren auch nicht mehr zeitgemäß. So war eine Renovierung der Halle im Gespräche. Hinzu kamen dann noch weitere Mängel beim Brandschutz. Ab dem Jahre 2008 konnte die Halle nur noch eingeschränkt genutzt werden. Die Besucherzahl wurde stark reduziert und der Schmutzige Donnerstag verlor seine Anziehung, da in der "leeren" Halle keine richtige Stimmung auf kam. 

2010 war es dann so weit, nach dem Aschermittwoch wurde sogleich mit dem Abriss der Dampfnudel begonnen. Auch der Wiederaufbau der Dampfnudel wurde sofort in Angriff genommen, wollte man doch den ehrgeizigen Plan, den Umbau bis zum Jahresende fertig zustellen in die Tat umsetzen. Im Lauf der Bauarbeiten kam es jedoch zu verzögern, so dass der Termin nicht gehalten werden konnte. Aus diesem Grunde gab es nur eine sehr abgespeckte Kampagne. Die Faschingsgala und Prunksitzungen fielen aus und die Veranstaltungen der Endrunde wurde im das Festwiesenhaus durchgeführt.

Im Oktober 2011 könnte dann mit einigen Monaten Verspätung die Eröffnung der Halle mit einem Festabend und mit einem Tag der offenen Tür gefeiert werden. Das Warten hatte sich gelohnt. Eine komplett umgestaltet Halle stand nun zur Verfügung.