Das Herz der Rülzheimer Narren blutet, mussten sie doch mitten in den Vorbereitungen für die närrischen Veranstaltungen wegen des Ausbruchs des Golfkrieges ihre geplante Prunksitzung, zunächst einmal verschieben, wenige Tage später wurde dann. wie bekannt, das ganze Programm abgesagt, Die Absage stellt die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Rülzheim (KGR) vor große finanzielle Probleme, sind doch Anlaufkosten von rund 25 000 Mark: entstanden, derer, derzeit keine Einnahmen gegenüberstehen.

So müssen, Heizkosten für den Trainingsraum bezahlt werden, Kostüme und Dekorationen wurden angeschafft. Soweit, möglich, sollen diese in der nächsten Kampagne wieder verwendet werden. Für die Hallenmiete kommen keine Kosten auf die KGR zu, ebenso verlangt der Musikzug „Rote Husaren" der Rülzheimer Feuerwehr. der bei den vier spielen sollte, entgegenkommenderweise kein Honorar. Anders dagegen sieht es bei den für die Bälle verpflichtete Kapellen aus. Hier stehen Honorarforderungen zwischen. zehn und 50 Prozent im Raum. Edi Harder, der Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft, sieht wenig Hoffnung, diesen, Honorarforderungen ausweichen zu können.

Enttäuscht zeigte sich Harder in einem Gespräch mit der Rheinpfalz über die Entscheidung der Landesregierung in Mainz, Zinshilfen für Kredite zu leisten, die von den Vereinen aufgenommen werden müssen, um die durch die Absagen, entstandenen hohen Kosten zu decken. Harder hätte sich statt dessen einen Erlas der Regierung gewünscht, wonach wegen der Absage von karnevalistischen Veranstaltungen die mit Kapellen abgeschlossenen Verträge nichtig seien, weil die Voraussetzung für diese Veranstaltungen nicht mehr gegeben sei. Damit wäre den betroffenen Vereinen weit mehr gedient gewesen, so Harder.

Die KGR hatte sich schon frühzeitig auf eine Verschiebung oder Absage ihres Programms eingestellt, bereits beim Neujahrsempfang; als das neue Prinzenpaar vorgestellt wurde, hatte so manch einer der verantwortlichen Rülzheimer Narren ein flaues Gefühl im Magen, wie das alles weiter gehen solle. So traf man sich dann sofort nach Ausbruch des Krieges in Rülzheim zu einer Krisensitzung und sagte zunächst einmal die für das bevorstehende Wochenende vorgesehene Premierensitzung ab.

Wenige Tage später erfolgte dann die endgültige Absage des gesamten Programms der Narrenschar. Enttäuscht war die KGR auch über die zunächst sehr unpräzise Haltung des Verbandes, der die Verantwortung für eine Absage den einzelner. Vereinen zugeschoben hatte. Im Vorstand der Karnevalsgesellschaft Rülzheim war die Absage einstimmig angenommen worden. Besonders enttäuscht von der Absage waren die jüngeren Aktiven der KGR, für die regelrecht eine Welt zusammengebrochen war. Für sie soll während des Heimatfestes im Juni ein Ausgleich in irgendeiner Form gefunden werden. Demoralisiert waren auch die übrigen. KGR-Aktiven, wenn sie auch die Absage im Gegensatz zu den Kleinen, verstanden und akzeptierten Dennoch war auch hier die Motivation weg.

Seit der Absage wurde kein Handschlag mehr gemacht, sogar die gesamte Dekoration für die närrischen Tage ist noch im Rülzheimer Freizeithaus montiert. Es fand sich noch niemand, der bereit gewesen wäre, sie abzubauen. Die KGR wird ihr Programm auf die kommende Kampagne verschieben, soweit dies möglich ist. Aktuelle Büttenreden oder Gesangsvorträge müssen natürlich überarbeitet werden. Auch bei den einzelnen Garden entstehen Probleme, weil bei etlichen Mädchen im kommenden Jahr altersbedingte Umsetzungen erfolgen müssen.

In dieser Kampagne wird die KGR keine Veranstaltung durchführen, auch keinen Kinderfasching, wie dies verschiedentlich gefordert worden war. Die Bevölkerung hat Verständnis und Respekt für die frühzeitige und klare Stellungnahme der KGR geäußert, die ohne Druck von außen erfolgt war.

Die Karten für die Prunksitzungen behalten ihre Gültigkeit für die kommende Kampagne. Wer seine Karte dennoch zurückgeben will, kann dies am 4., 5. oder 6. Februar, jeweils zwischen 18 und 20 Uhr in der Narrenburg tun. Auch im nächsten Jahr noch können die Karten zurückgegeben werden. Besonders bedauerte Harder der bei der. bevorstehenden Neuwahlen wieder für das Amt des 1. Vorsitzenden kandidieren wird, dass auch die sportlichen Veranstaltungen, wie beispielsweise Gardeturniere, abgesagt wurden. Dies sei besonders für die Stechergarde schmerzlich, die sich bereits für die deutschen Meisterschaften qualifiziert hatte.

Eine doppelte Moral warf Harder den Lokalen und Veranstaltern vor, die sich jetzt in die von den Karnevalsvereinen aufgerissenen Lücken stürzten und ihrerseits närrische Tanzvergnügen anböten, um daraus Profit zu schlagen.