Die Schau auf der Bühne läuft perfekt ab, jede Bewegung und jeder Schritt stimmt, niemand tanzt aus der Reihe. Scheinbar mühelos wirbeln die Gardetänzerinnen in manchmal atemberaubendem Tempo übers Parkett, ihre strahlenden Gesichter während der Darbietung verraten keinerlei Anstrengung. - Welchem begeisterten Zuschauer wird dabei bewusst, wie viel Mühe und Anspannung hinter einer solchen ca. 4 Minuten dauernden Garde-Tanzdarbietung steckt.

Dieser Auftritt ist das Ergebnis eines ganzjährigen, fleißigen Trainings. Durchhaltevermögen, Beweglichkeit, tänzerisches Talent und sehr viel Liebe zum Tanzsport sind nötig, um in der über die Planierung, über Siegerehre oder doch enttäuschende weitere Plätze. Wer einmal die Rülzheimer Stechergarde zu einem solchen Wettbewerb als Fan begleitet hat, der kennt die Freuden und Leiden der Mädchen, der Trainerin und der Betreuerin. Er erkennt aber auch, welche verschworene Gemeinschaft sich hier zusammengefunden hat und dass in dieser tanzenden Abteilung der KGR-Rülzheim immer »gemeinsam« geweint oder gelacht wird. Diese ist eine sehr bedeutende Feststellung und lässt ein wenig verstehen, warum diese Truppe, trotz hartem Training und oft persönlicher Opfer, schon seit Jahren besteht und erfolgreich ist und dass es sehr viele Jugendliche in Rülzheim für höchst erstrebenswert halten, Aufnahme in der Garde zu finden.

Denn Nachwuchsprobleme kennt der Verein diesbezüglich nicht. Natürlich reizt es auch, im Glitzerkostüm auf der Bühne zu stehen, jedes Mädchen für sich ein kleiner Star; die Bewunderung und der Beifall des Publikums geht den Tänzerinnen runter wie Honig. Doch wehe dem, der hier von überzogener Eitelkeit spricht. Dieser Applaus ist für die Gardemädchen einziger und alleiniger Dank für sportliche und tänzerische Höchstleistung.

Ein weiterer Denkanstoß sei an dieser Stelle einmal erlaubt: Sehr oft wird bei den Auftritten der Garde vor heimischen Publikum lautstark eine Zugabe gefordert. Natürlich freuen sich die Mädchen über diese Begeisterung. Zugabe rufe gelten schließlich als Höchstbewertung, auf die jeder Darsteller stolz ist. Doch manchmal sind die Tänzerinnen konditionell nicht mehr in der Lage, diese Zugabe zu geben. Eine Absage sollte man dann der Truppe nicht gleich übelnehmen oder ihr gar Starallüren vorwerfen. Würde man etwa von einem Athleten nach soeben erstelltem Rekord eine Zugabe fordern?