Im fliegenden Galopp und ohne konstruktives Misstrauensvotum vollzog sich der Machtwechsel in der Sozialgemeinde Rülzheim. Mit einem unblutigen Putsch setzten Prinz Edi II. und Prinzessin Ingrid III Rülzheims Bürgermeister Helmut Braun ab und übernahmen für die nächsten 30 Tage die Regierungsgeschäfte im närrischen Rülzheim. All dies geschah nicht im Rathaus, sondern in der Hochburg der Rülzheimer Narren, der festlich geschmückten „Dampfnudel" beim bis auf den letzten Platz besetzten Krönungsball der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Rülzheim „Die Stecher", bei dem traditionsgemäß das Rülzheimer Prinzenpaar der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Nach dem farbenfrohen Einmarsch des alten Prinzenpaares Norbert II und Pia I mit ihrem gesamten Hofstaat, begrüßte KGR-Vorsitzender Karl Heinz Pfeifer die närrischen Gäste und übergab die Leitung des weiteren Zeremoniells an den neuen Sitzungspräsidenten Dieter Mendel. Dieser verabschiedete das alte Prinzenpaar, zu dessen Ehren die kleine Garde einen Tanz aufführte, der wiederum von Karin Franck einstudiert wurde.

Angeführt von einem Hofnarren, durchquerte ein nicht eingeplantes Paar, namentlich Prinz Norbert III. Ritter der Landstraße und Düngemittelkurier und Ursula IV. Mansell des wölfischen Tusch-Adels, die Tanzfläche, steuerten schnurstracks auf den Thron zu, ließen sich häuslich nieder und begannen unter dem großen Applaus des Publikums die Huldigungen ihrer Untertanen entgegenzunehmen. Nachdem man von Seiten der KGR dem Treiben, der Beiden einige Zeit zugeschaut hatte, waren sie nur mit heftigen Protesten des Sitzungspräsidenten dazu zu bewegen ihren Platz zu räumen.

Dann kamen sie: Im Trommelwirbel übernahmen Seine Tollitäten, Prinz Edi II., Bewahrer des Vollkorn- und Weißbrotsiegels, und Ihre Lieblichkeit, Prinzessin Ingrid III, Hüterin der Prinzlichen Spezereien und Wohltäterin der Hungernden, den Rülzheimer Narrenthron. Der nunmehr abgesetzte Prinz Norbert II übergab seinem Nachfolger die „Reichsinsignien" und wünschte ihm bei seiner kurzen, aber schweren Regentschaft viel Glück.

In Anbetracht der nunmehr geschaffenen Tatsachen blieb auch Bürgermeister Helmut Braun nichts anderes übrig, als den Schlüssel des Rathauses zu übergeben. Er tat dies sichtlich frohen Mutes, konnte er doch zusammen mit dem Rathausschlüssel auch die Schulden der Gemeinde an den neuen Regenten weitergeben und nunmehr wenigstens die nächsten 30 Tage in Ruhe schlafen, ohne sich über deren Tilgung Gedanken machen zu müssen.

In der anschließend von KGR-Präsident Pfeifer verlesenen Proklamation des neuen Prinzenpaares wurde unter anderem die Verlängerung der Fastnachtszeit verfügt, um die Zahl der Arbeitslosen zu verringern. Sollte dies wider Erwarten doch nicht möglich sein, so übernehme die Deutsche Fastnachter-Partei (DFP) die Macht. Sie werde die Probleme zwar auch nicht lösen können, sie würden dann allerdings humorvoller erscheinen.