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Die Karnevalsgesellschaft Rülzheim zeichnete für die Ausrichtung dieser Großveranstaltung in allen Bereichen verantwortlich. Mit ihren über 100 Aktiven meisterte sie die Organisation reibungslos. Fast nahtlos mündete für die Rülzheimer Karnevalisten die vorabendliche lokale Prunksitzung in die sonntägliche Gemeinschaftssitzung ein.

Ab 15.11 Uhr nahm die Gemeinschaftssitzung mit dem Einmarsch der farbenfrohen Abordnungen und unter den donnernden Klängen der Rülzheimer Feuerwehrkapelle ihren Lauf. Nach dem unumgänglichen Begrüßungszeremoniell stellte sich die Freizeithalle in ihrem dekorativ sehr anspruchsvollen Bild den, Besuchern dar, noch stark betont durch die Sitzordnung der vielen Karnevalisten, die in ihrer Farbwirkung nur so schillerten: Gewichtige Präsidenten auf erhöhtem Bühnensockel und darüber - in Etagen aufgeschichtet - der Hochadel aus der Narrenwelt, Prinzen und Prinzessinnen in großer Zahl. Zu Füßen des vorderen Bühnenrandes saßen unter einem Saum roter Nelken politische Prominente, Abgeordnete des Landtags, der Landrat und etliche Bürgermeister. Auch sie ergänzten in ihren politischen Farben das bunte Bild - teils in Harmonie, teils in Kontrast zu den dominierenden Narrenfarben.

Beim programmatischen Teil waren jene Teile besonders gefragt, die Tanz, Show und Gesang dem Besucher boten. Die Kindergarde aus Rülzheim, die Rülzheimer Dampfnudelsänger, das jugendliche Tanzpaar Wetzka/Bleimeier aus Bellheim, die gemischte Garde aus Speyer, das Männerballett aus Oppau und die Garde aus Bell-heim belebten mit sehr ansprechenden Leistungen die Programmfolge für das Auge.

Hinter ihnen standen die Büttenredner in keiner Weise zurück. Sie hatten es insofern schwerer, weil sie auf das in der Fastnacht so sehr gefragte Lokalkolorit verzichten mussten; die überregionale Sitzung bot ihnen dazu kaum eine Chance. Sie wandten sich zeitkritischen Themen oder der naiven Blödelei zu, oder sie standen sich selbst zur Persiflage Modell. Zensi Esswein aus Sondernheim posierte als Schönheitskönigin in der Bütt und nahm ihre eigene, füllige Figur selbst auf die Schippe. Das wirkte herzerfrischend, so eckte sie bei keinem Mitmenschen an und ihr Auftritt war echt „eine runde Sache". Wolfgang Meister aus Bad Dürkheim beleuchtete in der Rolle eines Bauherrn den Bundesbürger, wie er sich in dieser Rolle gar zu oft bewegt. Geschliffen, mit Pointen gespickt und mit Beifall überschüttet, eroberte er sich die Sympathien des ganzen Hauses. Die 13jährige Simone Laas, Rülzheim, gab bei ihrem ersten Büttenauftritt eine Replik auf das Jahr des Kindes. Sauber war ihr Vortrag, sehr gut, wie sie das Thema anpackte. Wäre die sprachliche Formulierung noch mehr auf den Kindermund zugeschnitten gewesen, sie wäre bei ihrem mädchenhaften Erscheinungsbild nicht zu einer „kleinen Erwachsenen" hochstilisiert gewesen.

In die Reihe der drei zitierten Büttenredner gesellten sich noch zahlreiche närrische Interpreten, die mit Witz und Geist und gelungenen Show-Effekten ihren Beitrag leisteten, um ein abgerundetes Bild der Vorderpfälzer Fastnacht in ihrer Vielfalt zu geben. Ihnen allen galt der Beifall als ein Dankeschön für die Stunden der Entspannung und der Erheiterung, die sie an diesem Nachmittag einem aufgeschlossenen Publikum gaben.