Entsprechend dem Vorverkauf war die 1. Prunksitzung der Karnevalgesellschaft Rot-Weiß Rülzheim „Die Stecher" (KGR) im Rülzheimer Freizeithaus überraschend gut besucht. Dies bestätigte auch KGR-Präsident Karlheinz Pfeiffer.

Die am darauffolgenden Tag stattfindende 2. Prunksitzung war nicht nur seit Tagen ausverkauft gewesen, die Stimmungswellen schwappten im Gegensatz zur ersten geradezu über. Nach Angaben eines KGR-Verantwortlichen war sie von der Stimmung her eine der besten Prunksitzungen der letzten Jahre. In einem Fünf-Stunden-Programm versuchten die Rülzheimer Narren erfolgreich, das närrische Auditorium zu unterhalten und dessen Lachmuskeln zu strapazieren. Sitzungspräsident Willi Kupper sorgte wie immer für die verbindenden Worte, die Roten Husaren der Rülzheimer Feuerwehr unter Norbert Leingang heizten die Stimmung mit flotten Weisen an.

Nachdem Elferrat Eduard Herrmann den Gästen die Wünsche und Verhaltensmaßregeln der Regenten Gerhard II. und Christel II. für die verbleibende Regierungszeit verkündet hatte, zeigte die kleine Garde der KGR, die wie die große Garde unter der Leitung von Karin Franck steht, was sie in langen Proben gelernt hatte.

Den Anfang der Büttenredner machte Hans Kaufmann als Bajazz, der es schwer hatte, das in der 1. Prunksitzung zu Anfang noch etwas müde närrische Volk in Stimmung zu bringen. Er ging nicht nur mit der großen Politik ins Gericht, auch die Presse blieb vor seinen beißenden Worten nicht verschont. KGR-Präsident Pfeiffer schilderte die Erlebnisse eines Gastwirtes, der ein durchaus interessanter und abwechslungsreicher Beruf sein kann. „Faulencia simulanticus" ist eine auf der ganzen Welt bekannte Krankheit. Sie hatte auch Dietmar Steiner befallen, der sich erstmals in der Rülzheimer Bütt als „Eingebildeter Kranker" vorstellte. Neben der Grippe, der Krankheit der Nation, gebe es noch viele Möglichkeiten, krank zu feiern. Steiner hatte einen ausgezeichneten Ein-stand als „Narr".

Über den Modeberuf der heutigen Zeit klärte Inge Gutzier als Masseuse das Publikum auf. Wahre Lachsalven forderten die „Blödeleien" von Gottfried Doll (Hördt) heraus, der mit seinen Sprüchen seine Erlebnisse als „Blödel" zum Besten gab. Nach dem Motto der diesjährigen Rülzheimer Fasnacht, Karneval international, lud die Gesangsgruppe der KGR das Publikum ein, das Narrenschiff zu einer Reise um die Welt zu besteigen.

Nach der Pause zeigte die große Garde, was in ihr steckt. Ein Garde- und ein Schautanz mit schwungvollen Tanzfiguren forderten sogar eine Zugabe heraus. Die Erlebnisse eines Reisenden schilderte Alois Johann.

In einem Playback-Gesangsvortrag stellte sich Frau Bus (Speyer) als Sexygirl und Primaballerina vor. Petra Kerner und Werner Nuber schilderten, wie man als „unbescholtene Bürger" Pririzenpaar wird und was man dabei alles erleben kann. Die Bänkelsänger Norbert Kerner und Karlheinz Pfeiffer glossierten mit satirischer Zunge das Ortsgeschehen und zogen die Dorfpolitik durch den Kakao.

Zum Abschluss erreichte die Stimmung noch einmal einen Höhepunkt. Götz König, nach dreijähriger Pause wieder als „Pfälzer Kri¬scher" auf der Bühne, setzte mit treffenden Pointen einen ausgezeichneten Schlussakkord.