Vereinsjubiläen sind eigentlich nichts weiter, als der Beweis dafür, wie schnell die Zeit vergeht. Am augenfälligsten trat dies in Erscheinung beim Krönungsball am 15. Januar, als die Prinzessin und Prinzen der verflossenen 21 Jahre sich im Freizeithaus einfanden, um dem Jubiläums-Prinzenpaar ihre Huldigung zu entbieten. Diese Männer und Frauen der vergangenen Jahre sind erstaunlich jung geblieben und die meisten sind heute noch aktiv tätig, oder zu mindestens am Vereinsgeschehen lebhaft;, interessiert. Willi Kupper ist seit 22 Jahren Sitzungspräsident in ununterbrochener Reihenfolge, und wurde hierfür mit einem Kupferstich des Rülzheimer Kunstmalers Werner Brandt ausgezeichnet. Der Jubilar ist auch der einzige Träger des "Goldenen Löwen", der höchsten Auszeichnung des badisch-pfälzischen Karnevalverbandes. Vielleicht hätten im Lauf der weiteren Jahre auch andere Aktiven den Goldenen Löwen erhalten, aber der Verein hat keinen Antrag mehr gestellt, weil diese einst so begehrte Auszeichnung durch die Häufigkeit der Verleihungen, und die Höhe der finanziellen Gegenleistungen etwas fragwürdig geworden ist. Als Willi Kupper im Jahre 1969 den Orden erhielt, waren die Bedingungen noch viel strenge als heute.

Der Ball zum kalendermäßigen Faschingsbeginn, dem 11.11. hat sich in Rülzheim einfach nicht so spontan entwickeln können, wie vielleicht in anderen Orten. Aber so ist nun einmal die Mentalität der Rülzheimer, die nicht auf Kommando verrückt werden. Andererseits kann man auch nicht an diesem vorgezogenen Termin, Ideen und Pointen verschleudern, die bei den Prunksitzungen besser angebracht sind. Dafür war der Neujahrsempfang am 2. Januar in der Freizeithalle eine großartig gelungene Überraschung. Mit diesem Sektfrühstück "par Exzellente", hat der Karnevalsverein einen völlig neuen Akzent im Rülzheimer Kulturleben gesetzt, und dieser Brauch wird sicherlich in den kommenden Jahren aufrechterhalten werden, ganz egal, wer die nicht unerheblichen Kosten dafür trägt. Jedenfalls war dieser Neujahrsempfang ein toller Auftakt für das Jubiläumsjahr und ein gutes Omen für die folgenden Großveranstaltungen.

Der Krönungsball war immer schon das gesellschaftliche Ereignis unseres Dorfes und im Lauf der vergangenen Jahre noch weit darüber hinaus. Was ein Wunder, wenn der Krönungsball im Jubiläumsjahr alles bisher Dagewesene noch weit übertraf. Die phantastische, wohl auch kostspielige Dekoration hat das weite Rund des Freizeithauses in einen wirklichen Musentempel verwandelt, und mit Recht wurde bei der ersten Prunksitzung von einem Landauer Karnevalisten der Ausdruck "die schönste und größte Dampfnudel der Welt" gebraucht. Und diese herrliche Dampfnudel erlebte mit dem Krönungsball ihren bisherigen Höhepunkt. Die von den Technikern der K.G.R. geschaffene Beleuchtungsanlage, ist glatt und einfach als vollendete Raffinesse zu bezeichnen und verblüffte besonders durch die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten. Die Abordnungen auswärtiger Vereine mit ihren Prinzessinnen brachten viel Farbenpracht in das bunte Gemenge, und die hervorragende Musikkapelle aus Mosbach/Baden, sorgte für die nötige Stimmung. Auch in diesem Jahr war das Prinzenpaar wieder geheim gehalten worden, bis zur letzten Stunde wurde dieses Geheimnis bewahrt.
Desto großartiger war der Empfang, der dem Paar von ihren 21 Vorgängern, den prachtvoll kostümierten Garden, dem Elferrat aus Rülzheim und den vielen fremden Abordnungen bereitet wurden. Prinz Norbert I. und Prinzessin Gisela I. sind in jeder Beziehung ein würdiges Prinzenpaar, voller Charme und Ausstrahlungskraft. Beide sind als Geschwisterpaar seit Jahren der Gesangsabteilung der Klingbachlerchen verbunden, und ihre bürgerlichen Namen sind Norbert Kerner und Gisela Bisson. Als besonderes Merkmal dieses Krönungsballs gilt die Feststellung, dass keine Dame ohne Abendkleid auf der Tanzfläche zu sehen war.

Nach diesem grandiosen Auftakt, war es nicht verwunderlich, wenn die beiden Prunksitzungen, am 29. Januar und am 5. Februar im Vorverkauf innerhalb einer Stunde ausverkauft waren. Es muss ganz klar betont werden, dass es in der Dampfnudel keine guten und schlechten, sondern nur gute Plätze gibt. Hier sitzt keiner in der Ecke, das weite Rund bietet Sichtmöglichkeit aus jeder Lage und die vollendete Perfektion der Lautsprecheranlage sorgt immer und überall für guten Empfang. Bei den Prunksitzungen kommt die Besonderheit des Freizeithauses zur vollen Entfaltung. Der Hintergrund mit etlichen Quadratmetern Seide drapiert, der Elferratstisch, die geschmackvolle Prinzenloge und die gestaffelte Musikantenbühne, bilden den Hintergrund einer geräumigen Bühne, die den tollsten Kapriolen entsprechenden Spielraum lässt. Immer wieder wanderten die verwunderten Blicke zur Decke, um die großartige Dekoration zu betrachten, und wenn beim Tanz der Gardemädchen die Farbenpracht der Scheinwerfer, die tollsten Effekte zauberte, dann war sich jeder Besucher darüber klar, daß hier etwas geboten wurde, was weit und breit in solcher Vielfalt keinen Vergleich zu scheuen braucht.

Die Büttenredner, in diesen grandiosen Rahmen hineingestellt, steigerten sich zu besten Leistungen, und das Publikum hatte Gelegenheit, seine Beifallsfreudigkeit zu beweisen. Wir Rülzheimer sind in der glücklichen Lage, dass wir das geistige Fundament für die Büttenreden in eigener Regie haben weil Texter und Interpreten meist ein und dieselbe Person sind. Wir nehmen trotzdem Fremde herein, um die Abwechslung zu gewährleisten und um dem Gemenge den nötigen Esprit zu geben. Der Altersunterschied bei den Aktiven ist weit gefächert, denn hier spielt nicht das Altern, sondern das Können eine besondere Rolle. Schon seit einigen Jahren verfügen wir über einen gemischten Chor der sich nun wieder, in Anlehnung an seine ersten Vorbilder, die "Klingbachlerchen" nennt. Männer und Frauen aus allen Rülzheimer Chören haben sich unter dem Emblem der Narrenkappe zusammengefunden, und bei allen Prunksitzungen der vergangenen Jahre, waren diese Idealisten Höhepunkt der Veranstaltungen. In diesem Jahre hatten die Verantwortlichen die Rosinen aus dem großen Kuchen der Vergangenheit herausgepickt und die bereits bekannten Melodien haben beifallsumbrauste Auferstehung gefeiert.

Die K.G.R. verfügt über eine Kindergarde, eine mittlere Garde und über eine große Garde, die alle von Karin Milli-Franck trainiert werden. Karin Milli-Franck ist die Tochter und Assistentin von Tanzlehrer Otto Franck. die allen drei Garden schon sehr viel beibringen konnte, ganz gleich, ob es sich um reine Garden oder um Schautänze handelt. Für die Bekleidung dieser Garden zeichnet Elly Geiger verantwortlich, die diese herrlichen Kostüme entworfen, und mit Hilfe einiger Elferratsfrauen auch angefertigt hat. Das alles sind Dinge, die eine solche Schau überhaupt erst ermöglichen, denn der normale Einkauf dieser Kostüme wäre finanziell überhaupt nicht zu verkraften. Auch diese Frauen sind nur ein Teil jener Schar von Helfern und Helferinnen, die Tage und Nächte opfern, wenn es gilt, die Veranstaltungen durchzuziehen und die Unmenge Arbeit zu bewältigen, die diese Veranstaltungen vorher und nachher mit sich bringen.

Hans Kaufmann, vor 22 Jahren der erste Rülzheimer Büttenredner und seitdem immer einer der Haupt-Initiatoren des närrischen Geschehens wurde in Würdigung seiner Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt. Den musikalischen Teil bei den Prunksitzungen bestritten die Akteure des Musikzuges "Rote Husaren" unter der Stabführung von Norbert Leingang. Die etwa 50 Mann starke Kapelle war einfach toll auf Zack und paßte so recht in das grandiose Spiel der Karnevalisten. Besonders toll war das Finale, als hunderte von Ballons niederschwebten. Auf Wiedersehn und "so ein Tag" von den Sängern und der Musik dargeboten, war ein Bild rührender Begeisterung.

Beim Altentag der Verbandsgemeinde, am 6. Februar zeigten die Karnevalisten wiederum einen Großteil ihres Programms im vollbesetzten Haus. Die jüngeren Jahrgänge, unter den Alten waren hell begeistert und auch die Ältesten waren ein sehr dankbares Publikum

Autor: Alois Johann