"Ich bin zu der Überzeugung gekommen, daß die normalen gemeindlichen Gesetze nicht ausreichen, um der Wachstumsentwicklung unseres Ortes einerseits und der Ordnung andererseits gerecht zu werden. Ich fühle mich vollkommen ohnmächtig, diese großen in der kommenden Zeit auf uns zukommenden Europaprojekte finanziell wie verwaltungsmäßig durchzuziehen. Ich weiß mich mit den Karnevalisten bestimmt einig, dass vieles von dem, was die Öffentlichkeit hierüber sagt, nur mit närrischem Humor zu ertragen ist", sagte Bürgermeister Braun bei der Schlüsselübergabe anläßlich des Krönungsballes in der Rülzheimer Turnhalle. Seine Tollität, Prinz Alois I, und Ihre Lieblichkeit, Prinzessin Elisabeth I. (beide aus dem Hause Fichtenkamm) nickten huldvoll, nahmen Blumen entgegen und verteilten Orden. Vorsitzender Oskar Büchle und sein Elferrat waren ganz in ihrem Element. Der Verlauf des Abends gab ihnen recht.

Die Stimmung war gut, die „Evergreens" eine Kapelle, die in ihrem Repertoire für jeden etwas hatten. Alle Tanzwütigen kamen auf ihre Kosten. Elferrat und Peter I. und Ingrid I., die Tollitäten aus dem Jahre 1969, zogen pünktlich gegen 21 Uhr ein. Sitzungspräsident und Vorstand strahlten. Alles klappte wie an sämtlichen Schnürchen. Der Beifall brandete hoch, als die Prinzengarde, Mädchen im Alter von neun bis dreizehn Jahren, schmuckgewandtet das Prinzenpaar 1970, Alois I. und Elisabeth I, in den Saal führte. Die Ordenskette wechselte von Prinz zu Prinz, Blumen gab's in Mengen und Bürgermeister Braun wurde seinen Gemeindeschlüssel (gerne) los. Weniger mag ihm gefallen haben, dass ihm die Narren von seiner Würde nur noch die Arbeit ließen. Aber, Narren sind so. Prinz Alois I. meinte: „Wir haben den Schlüssel, den Dienst kann er, der Bürgermeister, ruhig weitermachen." Bürgermeister Braun ging schwergebeugt an seinen Platz zurück. Die Rülzheimer Tollitäten, Prinz Alois I. und Elisabeth I., nahmen nicht ungern die Schlüssel der Gemeinde aus den Händen von Bürgermeister Braun (rechts) entgegen. Der Elferrat und das Prinzenpaar aus dem Jahre 1969 strahlten. Der Krönungsball in der Rülzheimer Turnhalle hatte seine Höhepunkte im Auftreten der Kinder-Prinzengarde.

 Prinz Alois von Zementanien mit eigenem Ölhafen ließ seine Proklamation verlesen. Währenddessen nahmen die Tollitäten Platz. Das gesamte Gemeindeeigentum soll eingezäunt und von der Pringengarde bewacht werden, die Gemeinderäte werden in Urlaub geschickt. Ihre Funktionen übernehmen bis Aschermittwoch die Elferräte. Trotz „Falschgeldaffäre", für die Bürgermeister Braun seinen Kopf hergab, war die Stimmung prächtig. Die Mädels von der Prinzengarde, kindlich jung und ebenso kindlich ernst bei der heiteren Sache, stahlen den Großen die Schau. Sie waren der Clou des Abends. Beim La Bo-stalla, den sie mit den Pappis tanzten (Pappi, komm, 's wird Zeit . . .), beim Ausmarsch und bei der Ordensverleihung. (Alle bekamen den Jahresorden).

 Aus Speyer kam die königliche Ranzengarde. Schwergewichtige Damen zwischen zwanzig und siebzig Jahren, die zunächst einen pensionierten Harem, später einen russischen Tanz zeigten. Die gewichtigen Damen hätten 1956 bei der Winterolympiade sämtliche Medaillen im Viererbob geholt, so schwer waren sie. Später wurde nur noch getanzt. Vorher hatten Beigeordneter Baron und andere Ehrengäste Orden bekommen. Angesichts des gut verlaufenen Krönungsballs darf Rülzheim auf die Prunksitzung am kommen-den Samstag gespannt sein.