Der Karnevalsverein kann mit der abgeschlossenen Kampagne zufrieden sein, wenn auch der Winter sieh erst am Aschermittwoch endgültig geschlagen gab. All die Veranstaltungen, die, nicht vom Wetter beeinflusst, im Saal abgewickelt wurden, waren in Jeder Beziehung ein voller Erfolg.
Die Überraschung war der Eröffnungsball, der am 15. II. (einem Freitag) statt am 11. 11.1968 durchgeführt wurde. Zum ersten Male in der Geschichte der Rülzheimer Vereine wurde ein Ball mit 2 Kapellen durchgeführt, und die gut organisierte Tombola trug ebenfalls zum restlosen Gelingen bei Der Krönungsball am 11. 1. 1969 hatte In diesem Jahr den Reiz der Ungewissheit und wurde zum großartigsten Erfolg. Vielleicht trug gerade
die Ungewissheit da/u bei, denn bis zu diesem Abend wusste niemand mit Sicherheit, wer als Prinzessin und Prinz das Zepter über die diesjährigen Narren schwingen würde.
Das Auftreten des Prinzenpaares war ein«- gelungene und vor allen Dingen eine sehr angenehme Überraschung. Die Tollitäten. Prinz Peter I. (Peter Bisson) und Ihre Lieblichkeit Ingrid II. (Inge Gabriel) hatten sich bald die Herzen aller Rülzheimer, nicht nur der Narren, erobert und man konnte wirklich sagen: Was lange währt, wird endlich gut.
Die Prunksitzung am 1. 2.1969 war restlos ausverkauft, und es mussten noch zusätzlich Plätze für die Gäste aus den benachbarten Orten beschafft werden. Aufgrund des Ablaufes im vergangenen Jahr waren die Erwartungen des verwöhnten Publikums ziemlich hochgeschraubt. Dass trotzdem alle Besucher zufriedengestellt werden konnten, ist ein Beweis für das erreichte Niveau.
Die Bühne, in die wieder einige Mark zusätzlich investiert wurden, bot ein prachtvolles Bild. Gleich zu Beginn donnerte der stärkste Applaus für die beiden Schüler „Petra und Peter" (Petra und Ilona Büchle), die ihren von Marcel Schuschu geschriebenen Protest in unnachahmlicher Manier zum Vortrag brachten. Marcel Schuschu war der Meistbeschäftigte des Abends. Einmal im Solo, einmal mit Frau Marlies Büchle zusammen, funkelten seine verrückten Ideen. Mit den Erlebach-Krabben aus Rheinzabern brachte er mit einer Modeschau die Glanznummer des Abends.
Im Übrigen waren es die bewährten Streiter für den Rülzheimer Karneval, die mehr als vier volle Stunden ein Programm abrollten, das den lautstarken Beifall auch wirklich verdient hatte. Es waren dies Karl Liebel, Götz König, Hans Kaufmann, Alois Johann, Eduard Herrmann. Nicht zu vergessen die Rülzheimer Prinzengarde, die gemischte Garde und die Bänkelsänger aus Herxheim, Ludwig Müller aus Rhodt Rietburg und zum herrlichen Finale die Geschwister Hammer aus Neupotz mit eigens für den Abend eingeübten Liedern.
Um ein Haar wäre der Umzug ein Opfer höherer Gewalt (sprich Schneesturm) geworden. Die letzten Vorbereitungen litten unter dem Einfluss der Witterung. Trotz des auch noch am Sonntag anhaltend den Schneetreibens waren die Straßen belebt, wenn auch nicht der Massenbesuch vergangener Jahre verzeichnet werden konnte. Dieses Jahr hatte die Kulturgemeinde für die Durchführung des Umzuges verantwortlich gezeichnet, und die Gestaltung lag in den Händen aller Vereine insgesamt. Man war mit Recht erstaunt über die Vielfalt der Ideen, die hier zu Schau gestellt wurden. Der Umzug war im ganzen gesehen nicht so prunkvoll wie z. B. vor zwei
Jahren, aber die Motive waren alle gut gewählt und auch hervorragend gestaltet. Die großartigste Idee war ohne Zweifel das Rülzheimer Narrengeld, das über die tollen Tage Gesprächsstoff Nummer 1 bildete.