Eine prächtige mehr als fünfstündige Non-Stop-Narrenrevue fegte am Samstag über die festlich illuminierte und total überfüllte „Narhalla" hinweg. Die Karnevalsgesellschaft „Rot-Weiß" hatte getrommelt — es defilierten Politiker, Prominente, Prostestierer, die APO, Revoluzzer, Studenten, Schüler, die Bundeswehr und viel anderes mehr einschließlich des gemeinen Fußvolkes in Wort und Bild, bunt gemischt, an den Narren vorbei. Die „Proteschf'-Sitzung hatte die Wirkung eines Hurrikans, der in seinem Sog alles unwiderstehlich mit sich riss.

Der größte Star des Abends? Zweifellos Marcel Schuschu, war er doch Denker und Dichter, Komponist und Sänger, Regisseur und Schauspieler, der in 5 (!) Vorträgen, jeder ein Volltreffer, sein Talent als Narren-Autors unter Beweis stellte. Unter den Invasionsklängen der Kapelle des Musikvereins und den rhythmischen Radau-Szenen des närrischen Volkes nahmen die Tollitäten Ingrid II. (Ingrid Gabriel) und Peter I. (Peter Bisson), samt Elferrat, Prinzengarde und dem Hofstaat von der Narhalla Besitz.

Oskar Büchle, Obernarr der KGR, zählte unter den Honorationen, die den Tollitäten huldigten, u. a. Bürgermeister Braun, Kaplan Reißinger und Abordnungen aus Herxheim, Kuhardt, Rheinzabern und Rhodt auf. Unter dem Motto „Für jeden etwas" gab Sitzungspräsident Willi Kupper den Start für die „Protestierer" frei. Gesang, Musik, humorvolle Vorträge und Tanz wurden in bunter Folge gestreut. Aus dem „hohen Norden kam ihre Lieblichkeit Roswitha I. mit Gefolge und ließ durch ihren Adjutanten erklären, dass zwischen Herxheim und Rülzheim nur Herxheimweyher und die Bahnlinie liegen. 

Den Reigen des weltweiten Protestes eröffneten zwei Abc-Schützen (die Schülerinnen Ilona und Petra Büchle): „Mer machen. Krach, mer machen Gezeter." Nach diesem stürmischen Auftakt in der Bütt ließ der Bajazz mit der Laterne (Götz König) nacheinander schwarz-rote Koalition, prominente Politiker, Nationen, illustre Gesellschaft und andere über eine messerscharfe Klinge springen. Dem „Pälzer Deiwel" (M. Schuschu) folgte „Little Joe von de Ponta Rosa" (Eduard Herrmann).

Ihren wilden Sachen setzte die Prinzengarde wohlgeformte Beine entgegen. Liebreizender Anblick und temperamentvoller Tanz verfehlten die Publikumswirkung nicht.

Mit dem Studentenlied „Gau de amus . . ." auf den Lippen, eine rote Fahne schwenkend, kam ein „Student aus Heidelberg" (Hans Kaufmann). „Mei ganzes schdudiere bedeppert de Schtaat, in Deitschland do werd mer noch für die Dummheit bezahlt."

Nach einem internationalen Streifzug kam die lokale Brille: „Jüngst gab es einen Bürger anderer Meinung, es gab ein Debakel und stand in der Zeitung. K. J. schrieb die Zeilen und die taten weh, drum schburte ganz schnell unser H. B. Ja, unser Helmut des isch an Held, mer hän was in Rülze, mer stinken vor Gäld."

Die Erlenbach-Krabben aus Rheinzabern kreierten die neueste Mode, u. a. ein Modell aus Papier a la Axel Springer, mit umwerfenden Aussichten. An Komik unübertrefflich: ein „Fußballstar" (Ludwig Müller) aus Rhodt. Die neueste medizinische Errungenschaft, ein vor dem Tod Bewahrter (Karl Liebel), entstieg fröstelnd der Tiefkühltruhe! Es führte zu weit, alle Mitwirkende auch nur zu erwähnen, geschweige denn ihre Vorträge gebührend zu würdigen. Darum: Alle haben ausnamslos „eingeschlagen"!