Im tiefsten Saisonurlaub wurde die Karnevalsgesellschaft „Rot-Weiß" Rülzheim von der Nachricht aufgeschreckt, dass seine gewesene Tollität, Exprinz Willi I. (Willi Kupper II) sein Eheversprechen gegenüber Braut Gisela Brugger einzuhalten hat und sie (die KGR) dabei Hilfestellung leisten solle.

Unter Aufbietung aller Kräfte wird Prinz Willi sich am kommenden Samstag von sechs Rappen in den „Hafen der Ehe "schleppen" lassen müssen, wie uns Vorsitzender Oskar Büchle mitteilte. Die KGR wird unter Aufbietung ihres gesamten höfischen Pomps und unter Gestellung von drei Kutschen, was auch auf dem Land nicht mehr so leicht ist, das Brautpaar zur Kirche bringen. Auf dem Weg dorthin ist Zeremonienmeister Robert Seither für die Einhaltung des Protokolls verantwortlich, vor allem aber dafür, daß der Bräutigam auf diesem Weg seiner Braut nicht mehr entwischt.

Das „Ofra"- Quartett wird die Hochzeitsmesse singen. Im Anschluß daran wird der Karnevalverein mit seinem mittelalterlichen Kleinod, der „dicken Berta", die „Knebelung" eines freiheitlichen Narren durch Salut anzeigen. Im Beisein des gesamten närrischen Volkes wird dann Vorsitzender Büchle beim Domizil der beiden zur Gratulation antreten: Ein glückliches langes Leben und ein reicher Kindersegen werden die Wünsche sein. Zur Bestätigung dessen wird eine dreidimensionale Urkunde ausgehändigt und die erste Rate zur Babyausstattung überreicht. Obernarr Oskar gedenkt weiter, wie er verlautete, samt seiner Mannschaft den Weinkeller des der Narretei zugetanen Paares einer Inspektion zu unterziehen, wobei man darauf bestehen will, dass der junge Gatte in eigener Person seiner Repräsentationspflicht nachkommen und die Führung übernehmen muss.

Hochzeitspaar in Kutsche