Wogen der Begeisterung schlugen im Saale der Stammburg „Zum Bayerischen Hof" hoch, als die Prinzenpaare aus Wörth und Rülzheim und der gesamte närrische Hofstaat beider Karnevalvsreine zu den Klängen des Narrhallamarsches Einzug hielten. Die närrischen Untertanen hatten den „Machthabern" damit ihre Reverens erwiesen. Die Sitzungspräsidenten aus Wörth und Rülzheim hatten sich allerlei Nettes zu sagen. Sie brachten dabei ihre Sympathie und gegenseitige Unterstützung zum Ausdruck. Orden wurden ausgetauscht, Blumen regnete es für Ihre Lieblichkeit Judith I. aus Wörth und Gitta I. aus Rülzheim und ein zärtliches Küßchen untermalte das närrische Publikum mit stürmischem Beifall.

Zu Beginn der Prunksitzung hatte Sitzungspräsident Wilfried Frank den Gästen, insbesondere dem Wörther Ortsoberhaupt, Bürgermeister Stöffler, und dem Ehrenpräsidenten der Karnevals-Gesellschaft, Kurt Braun, ein herzliches Willkommen zugerufen. Die Stimmung war an diesem Abend fabelhaft. Das auserlesene Programm tat dazu sein Nötiges. Ewald Scheurer als Till Eulenspiegel nahm die hohe Politik und das Gemeindegeschehen aufs Korn.

Als Putzfrau Veronika hatte Marcel Schuschu (Rülzheim) auch bei den Beamten zu tun. Der 22. März, wollte sie erfahren haben, werde künftig als Beamtentag eingeführt. An diesem Tag höre der Winterschlaf auf und die Frühjahrsmüdigkeit fängt an. Eugen Betsch hatte als Stallknecht ebenso die Lacher auf seiner Seite, wie der talentierte Nachwuchs Peter Huck (Freckenfeld), der sich als Gammler vorstellte und über seine Weltreise berichtete. Wie jedes Jahr, so wartete Sitzungspräsident Wilfried Frank mit einer brillanten Büttenrede diesmal über „Gebrauchtware" auf. Sogar das Kaugummi, gestand er, hatte ihm sein Großvater vererbt. Drum hielt er an dem Wahlspruch fest: „Nie was Gebrauchtes, so wahr ich do steh', lieber was Neies, was Neies is' scheh!"

Als Heiratsvermittler gab Walter Hoock den Junggesellen gute Ratschläge. Mit den Verkehrssündern und anderen unglaubwürdigen Subjekten machte Liesel Rinio als Polizistin kurzen Prozeß. Besonders bei den Karlsruher „Sündern" zückte sie ohne Pardon das Notizbuch. Das strenge Verhalten sei insoweit nicht ohne Wirkung gewesen. „Ich werde energisch, ich pack sie am Hals, drum nennt man mich auch Emma Peel aus der Palz," Die Pointe war gelungen. Für ihren Vortrag hatte die Polizisten-Liesel die erste Rakete des Abends verdient.

Uber die originellen Einfälle, die Wilfried Frank und Eugen Betsch als „Schorsch und Eugen" preisgaben, kam das närrische Publikum aus dem Lachen nicht heraus. Eine Glanznummer und geradezu als Schlußeffekt der stimmungsvollen Prunksitzung präsentierte der Pälzer Krischer (Götz König) die erstaunlichsten Einfälle. Auf die politische Seite und damit auf die „um-fallende Partei" anspielend, meinte die Büttenkanone: „Einen Scheel haben sie schon, sie suchen nur noch den Tünnes."

Zu erwähnen sind auch noch die Berger Hofsänger, die mit ihrem humoristischen Gesang einen guten Eindruck hinterließen. Eine Augenweide war wieder der Gardetanz der Rülzheimer Garde mit Offizier. Das ohnehin schon beschwingte närrische Publikum konnte sich nach Herzenswunsch bei den Schunkelliedern der Freckenfelder Musikkapelle austoben.