Leider fällt diesmal der Redaktionsschluss des Heimatbriefes in die närrische Zeit und es kann deshalb nicht ausführlich über die Saison berichtet werden. Aber immerhin hat sich bis heute schon etwas getan und die Narrenschar ist mit dem bisherigen Verlauf mehr als zufrieden. Viele hatten befürchtet, dass das Farbfernsehen sich als schlimme und unliebsame Konkurrenz für den Karneval auf dem Lande auswirken würde. Fast könnte man glauben, das Gegenteil ist der Fall, denn die bisherigen Veranstaltungen waren in jeder Beziehung glänzend gelungen.

Die Krönung des Prinzenpaares, erstmals in der Turnhalle durchgeführt, war ein solch durchschlagender Erfolg, dass man voller Zuversicht allen weiteren Ereignissen ins Auge sehen konnte. Trotz unliebsamer Ereignisse war die Prunksitzung schon Tage vor der Veranstaltung restlos ausverkauft, und die vielen Besucher ließen sich überraschen. Sie wurden überrascht, und zwar auf das aller angenehmste, denn die Darbietungen haben alles bisherige in den Schatten gestellt. So langsam findet die Führungsschicht der Karneval-Gesellschaft den rechten Tritt, und alle Mitwirkenden wetteiferten in heller Begeisterung. Es wäre ungerecht, würde man die Aktiven der vergangenen Jahre auf eine niedrigere Stufe stellen als die Mitwirkenden an diesem Jahre. Es gab ja kaum nennenswerte Änderungen in der Besetzung, aber man hatte aus den Fehlern der vergangenen Jahre gelernt und vor allem die Organisation und die Vorbereitungen auf das äußerste gestrafft.

Die Bühne machte schon bei der Krönungsfeier mit ihrer einfachen Eleganz einen sehr guten Eindruck, aber bei der Prunksitzung wurde sie durch den großartigen Aufbau zu einer Augenweide erlesener Pracht. Dank für die wundervolle Dekoration und die gesamte Bühnengestaltung gebührt vor allem Kunstmaler Brand, der in seiner stillen, unauffälligen Weise immer da ist, wenn die Vereine irgendwo der Schuh drückt. Bei den Karnevalisten drückt der Schuh immer an irgend einer empfindlichen Stelle, und fast hätte es dieses Jahr Blasen gegeben, denn man hatte sich eben doch ein bisschen arg viel zugemutet. Es ist immer wieder das alte Lied von der vielen Arbeit und dass es dieses Jahr das letzte mal gewesen ist. Das ist eine sehr bekannte Melodie, die man besonders oft von Hans Kaufmann hören muss, aber nach den rauschenden Erfolgen, die der Karneval bisher gebracht, dürften diese pessimistischen Gesänge bald vollkommen verstummen.

Bei diesen glänzenden Erfolgen wird selbst die Abeit zum Vergnügen, wenn dadurch die Freundschaft innerhalb der Aktiven sich fest verwurzelt. Zum erstenmal in diesem Jahr hat man den ernsten Versuch unternommen, die Jugend mehr als bisher für den Karneval zu begeistern und fast wäre dies auf Anhieb gelungen. Beim Jung-Elferrat fehlen nur noch drei oder vier begeisterungsfähige Jungen und dann ist alles perfekt. Mit der Prinzengarde hatte Karin Frank dieses Jahr auch ihre liebe Not, aber zum Schluß klappte es dann um so besser. Fürs nächste Jahr werden die Mädchen vollkommen neu eingekleidet, denn wenn man die gleichen Leistungen verlangt wie von den bekannten Gardekanonen am Fernsehschirm, dann muss man sie auch in eine entsprechende Hülle stecken.

Ein besonderer Höhepunkt war das Gardetreffen in Ketsch, wo die Rülzheimer mit dem Spielmannszug auftraten und einen großartigen Eindruck bei den rund 3000 Besuchern in der Rheinhalle schinden konnten.

Ein weiterer Markstein in der Geschichte der Rülzheimer Karnevalsgesellschaft ist die Verleihung des „Goldenen Löwen" an den Sitzungspräsidenten Willi Kupper, der dieses Jahr zum 13. Male die Prunksitzungen leitete. Der „Goldene Löwe" ist die höchste Auszeichnung, die der Bund Deutscher Karneval zu vergeben hat, und wird nicht zu Unrecht das Ritterkreuz der Karnevalisten genannt.

Der Krönungsball war eine nette Angelegenheit. Ein ideales Prinzenpaar waren Stephan und Gilla. Die beiden haben sich in jeder Hinsicht die Hauptnote „sehr gut" verdient.

Die Prunksitzung war wirklich der Knalleffekt und der absolute Höhepunkt jeglichen karnevalistischen Treibens in Rülzheim. Es hieße den einen beleidigen, wenn man den anderen loben würde, aber das „comeback" von Karl Liebel darf doch besonders erwähnt werden. Man hörte überall nur ein Urteil: Es war alles da, was man sich nur wünschen konnte: Eine glänzende Organisation, großartige Leistungen auf der Bühne und vor allen Dingen ein ganz hervorragendes Pu­blikum-

Alois Johann