Die Karneval-Gesellschaft „Rot-Weiß" ließ die Gala-Prunk- und Fremdensitzung zu einem nie dagewesenen Feuerzauber werden. Spritzige Büttenreden voll zündenden Humors, farbenprächtige Szenerien mit dem Hofballett und eine unübersehbare Narrenschar gaben dieser Veranstaltung bis weit nach Mitternacht das Gepräge. Die wider den tierischen Ernst verschossene Munition überschüttete die gesamte Gemeinde. Zunächst erschienen Elferrat, Prinzengarde,

Prinz Stefan I. (Stefan Leingang) und Prinzessin Gilla I. (Gilla Andres) auf der Bildfläche. Sie wurden stürmisch empfangen. Oberboß Büchle begrüßte die Prominenz, u. a. das Wörther Prinzenpaar und die Rheinzaberner Erlenbachkrabben.

Zur ersten Büttenrede wagte sich Petra, der noch junge „Ableger" des Oberbosses, in die Bütt. Oskar fühlte sich sehr geschmeichelt bei ihrer Feststellung: „Mei Ältre des sinn doch Schoote." Auch der KGR rupfte sie Federn, so daß ihr spontan die Sympathie des Publikums zuteil wurde. Politische Pointen produzierte Alois Johann als Till. Hier eine Glosse über die Verwaltungsreform: „Jeder hat etwas auf dem Kasten, und bald wachsen Eselsohren, wer tragt dann die Lasten?"

Ein Jüngling (Eduard Herrmann) berichtete noch über „Meine Oma aus der guten alten Zeit". Dann hieß es, die Bühne frei für das Tanzcorps der Prinzengarde. Hier erlebte ein begeistert mitgehendes Publikum herrliche Tänze mit artistischen Einlagen. Besonders herausragend: Karin Müller (früher Franck) und Gerhard Dreyer. Sekt, Orden, Blumen und viel Beifall waren der Lohn.

Einer der ganz großen Höhepunkte, wenn man bei dieser von Niveau geprägten Veranstaltung überhaupt von so etwas sprechen sollte, war der Feldwebel (Karl Liebel) mit seinem Rekruten (Fritz Brechtel). Allein schon ihre Mimik reizte zum Totlachen. Bänkelsänger Ede (Erwin Eichhorn) und Kunigunde (Marcel Schuschu) nahmen zielsicher die Bundes-, Landes-, Kreis- und Kommunalpolitik ins Visier. Gut gefiel mit tiegründiger Zeitkritik auch Paul Beizer (Rheinzabern) als Bajazzo. „Als Narr bin ich der Zeit verbunden, das ist mein Gebot, so leucht ich in diesen Stunden schwarz und rot" gab er kund. Den „Teufels, Duschkes" usw. wurde angelastet: „Die deutsche Burschenherrlichkeit, sie scheint geschwunden, mit unseren Studenten ist sie tief ins Grab gesunken." Die Wörther „Emma Peel" (Liesel Rinio) betrieb auch in Rülzheim ihr Handwerk mit Erfolg.

Nachdem Sitzungspräsident Kupper „große Ereignisse" angekündigt hatte, tauchte der Elferrat als „atomverseuchte" Schüler auf. Uber die Vorkommnisse in der Gemeinde berichteten sie ihrem Lehrer (Hans Kaufmann) u. a.: „Unser Atombürgermeister hat viele Patente, was könnten wir da Straßen bauen, wenn er die verkaufte." Für den Ankauf der „modernen" Obermühle, die „größte Tat" des Gemeinderats, bekam dieser das Prädikat „Note zwei mit Beschränkung".Die Erlenbachkrabben nahmen in dem Potpourri „Im schwarz-roten Rössel in Bonn" politische Persönlichkeiten unter Beschüß. „Krabbenboß" Schuschu kam anschließend als Schulbub mit Bart aus der neunten Klasse wieder. Daß die Jägerei gar lustig sein kann, bewies Karl Liebel. Mit seinem Drilling ballerte er den Narren „Schrot" unter die Haut. Reizvoll die „Pirsch in Bonn, wo es viele alte Hirsche hat und im Gebüsch, in der Heck, Zwölfender, kapitale Bock". „Doch man staunt, ich kann Euch sage, wie's Rot- und Schwarzwild sich ver¬trage." In der „Alchimistenbude" wohlpräparierte „Bonbons", die alle eine ungeheuerlich lach-muskelkatererzeugende Wirkung hatten, verteilte freigiebig der „Pälzer Krischer" Götz König.

Den stark applaudierten Gesangsvorträgen der Geschwister Hammer (Neupotz) folgte als Krönung der Veranstaltung ein gewaltiges Finale, das alle Mitwirkenden, einschließlich der Kapelle Franck, die flott aufspielte, und das Publikum beim „So ein Tag, so wunderschön wie heute", vereinte. Als Narrenfreund kann man nur sagen, schade, daß sich die „Rot-Weißen", die so ein imposantes Programm gestalteten, sich zu weiteren Prunksitzungen in dieser Saison nicht entschließen können.