Die jüngste Büttenrednerin der Pfalz haben die Rülzheimer „Rot-Weißen". Ganze zwölf Lenze zählt die kleine Petra, die die Prunksitzung in der neuen Narrhalla richtig in Schwung brachte. Mit gezielten Schüssen traf sie ihr närrisches Elternhaus. „Es schtimmt ebbes nit mit meine Alte", rief sie dem Publikum zu, das ihr die erste Rakete des Abends vom Stapel ließ, mit Klatschen Pfeifen und Oh. Der „Alte" ist kein geringerer als Karnevalsgesellschafts-Vorsitzender Oskar Buchte, der sich von seiner Tochter auf die Schippe nehmen ließ. Eine Obstkiste mußte zu Hilfe genommen werden, damit das stramme Mädchen über die Bütt schauen konnte. Und mit diesem Auftakt brauchte den Elfern nicht mehr bange zu sein um die Stimmung in der Halle.

Übrigens sind auch die etwas älteren Mädchen von Rülzheim nicht zu verachten. Was die Petra in der Stimme hatte, dass haben die anderen in den Beinen, voran Karin Franck, die mit Tanzoffizier und Garde einen prächtigen Tanz auf die Bühne legte. Mit ihrem Offizier legte sie im zweiten Teil noch ein hervorragendes Solo ein. Eine süße Kleinigkeit war der Dank des Prinzen an die Garde.

Mit großem Prunk und dem Einzug der Tollitäten begann der bunte Reigen in Rülzheim. Zuerst hatten die „Roten Husaren" ein Trommelfeuer in dem Saal losgelassen. Mit dem Narrhallamarsch in gemäßigterem Tone zog dann der ganze Staat ein, das daseigene Prinzenpaar Ingrid I. und Rudi I. sowie die Wörther Prinzessin Waltraud I. Dazu kamen die Garden und Elferräte. Der Wörther Sitzungspräsident Wilfried Frank meinte, daß die närrische Koalition zwischen Rülzheim und Wörth der Bonner Koalition ein ganzes Stück voraus sei, weil sie sich in mehreren Jahren schon bewährt habe. Sitzungspräsident Kupper, der immer das recht Wort fand, konnte dann die große Schar der Büttenredner hereinlassen.

Wie gesagt, Petra Büchle hatte das erste Wort. Aber dann kam wie in jedem Jahre „Till" Alois Johann, der die Politik aufs Korn nahm. Er meinte, dass den letzten die Hunde beißen. „Flurbereiniger" Hans Kaufmann klagte das derbe Lied des Landwirtes. Dabei fehlte nicht, daß kürzlich die Gemeindegrundstücke gleich zweimal versteigert wurden. Das neue Universalmittel „Casanol", der Schlager der Saison pries Eugen Seither in allen Tönen. Und zum Schluß hatte Bürgermeister Braun die erste Packung dieses Wundermittels in den Händen.

Als unvollendeter Dichter präsentierte sich der altbekannte Marcel Schuschu, der zusammen mit den Rheinzaberner Erlenbachkrabben die Schau am Schluß des ersten Teiles brachte.

Einer der Höhepunkte war Seppl Groß aus Wörth, der Ex-Mannheimer. Als doofer Straßenkehrer riß er das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hin.

Das Ballett des Elferrats brachte gleich nach der Pause die Narrhallesen wieder in Schwung. Und wie immer machten die Hofsänger mit ihren Versen den krönenden Abschluß des närrischen Treibens.

Dazwischen gab es Büttenreden und Tänze am laufenden Band. Und natürlich auch Raketen und Helau-Rufe. Liesel Rinio aus Wörth pries Obst und Gemüse als Marktfrau an. Der Wörther Sitzungspräsident Wilfried Frank erzählte seine Erfahrungen als Tankwart und Götz König betätigte sich wieder einmal als „Pälzer Krischer". In diese schillernde Reihe gehört auch das Duo Pfeiffer-Groß, das mit seinen doofen Spaßen wieder die gewünschte Resonanz fand.