Nach altem Brauch „rollte" am Samstag die Rülzheimer Narrenrevue über die Bühne. Die Karnevalgesellschaft „Rot-Weiß" hatte die Weichen so gestellt, dass Mann und Maus mit Volldampf in das närrische Treiben hineintauchten. Mit dem Narhallamarsch zog die Narrengilde in die festlich geschmückte Narhalla ein. Es folgten mit klingendem Spiel die „Roten Husaren".

Willi Kupper I. wetzte wieder einmal als Sitzungspräsident das Zünglein: „Wir leben in der Narrenzeit, nun öffnet Euch und seid bereit, das Narrenlied zu singen: Freut Euch des Lebens..." - Vorsitzender Oskar Büchle entbot sein „Helau!" allen Gästen, darunter den Wörther Narren, die mit Prinzessin Waldtraud I. und dem Hofstaat erschienen waren.

Eine Welle der Sympathie ging über das Rülzheimer Prinzenpaar und die Garde nieder. Als erste stieg eine kleine „Pälzer Krott" (Petra Büchle) in die Bütt! Gekonnt breitete sie das heimische Familienleben aus. Schließlich verriet sie: „Mei Eltre sind und bleiben Sdrode und ich, ich sitz im selwe Karre, wie kinnt ich do auch annerscht wärre." Alois Johann, Angehöriger des CD, bewegte sich bravourös auf politischem Parkett. Seine Verse gipfelten jeweils in der Feststellung: „Dem glücklichen schlägt keine Stunde, den letzten beißen die Hunde."

Wer es bis dahin nicht wusste, was den Rülzheimer Landwirten widerfuhr, dem sagte es Hans Kaufmann als „flurbereinigter Bauer". Ein „fliegender Händler mit Bauchladen" (Eugen Seither) bot den neuesten Weltmarktschlager „Casanol" feil. Die erste Packung drehte er Gemeindeoberhaupt Helmut an, „weil entweder alles gut geht oder man debei druff geht". Marcel Schuschu prüfte das Volk der Dichter und Denker. Da seine Büttenrede noch nicht fertig war, half ihm bei einem „Füllrätsel" das Publikum die Lücken schließen, was ein großes Gaudi ergab.

Im Programm eingestreut waren auch Beiträge der Wörther und der „Erlenbachkrabben" aus Rheinzabern. Letztere genossen auf Campingreise das „süße Leben". Sie verrieten außerdem das Rezept für einen „russischen Salat", der selbst Lukullus den Bauch gekrümmt hätte. Was nur das närrische Komitee mit seinen Weibern hatte, muss man sich fragen, denn mit einem Mal war die Regierungsbank leergefegt. Wer kam, sah und siegte?

Die Schar der „Hausdrachen", voran Marliese. Sie verkündete, dass sie den Elferrat vertreten würde, der am Hauptbahnhof ein „Pariser Starballett" in Empfang nehme. Als die „Ballettratten" auftauchten, hatte auch der letzte „geschaltet" und das Damenballett als den Elferrat identifiziert. Viel „Abbelmus" (Applaus) war der Dank für die tollen Darbietungen.

In derbem Platt zogen wieder einmal „Er" (Marcel Schuschu) und „Sie" (Marliese Büchle) übereinander her. „Maul halten" ballerte schließlich der „Pälzer Krischer" (Götz König) los. Seine Knallbonbons „zündeten" am laufenden Band. Schweres Geschütz fuhren dann jedoch die Hofsänger, rekrutiert aus dem Ofra-Quartett, auf. Für sie gab es nichts, was nicht unter Beschüß genommen worden wäre. Zusammen mit dem Texter Hans Kaufmann und dem Vertoner Otto Franck wurde ihnen eine große Ovation zuteil.

In der sechsstündigen Mammut-Prunk- und Fremdensitzung begeisterten weiter die Garde mit ihren Tänzen, das Tanzmariechen und der Tanzoffizier mit einer Soloeinlage. Der KGR ist ein Lob dafür zu zollen, dass sie es prächtig verstand, alle ins Reich der Narretei zu führen. Die Beifallstürme des Publikums waren für diese Narrenrevue verdient Anzuregen wäre vielleicht, im kommender Jahr „Dum-Dum-Gescbosse" wegen ihrei „zersetzenden" Wirkung nicht zuzulassen und stattdessen nur einfache „scharfe Munition" zu verschießen.