Der Karnevalverein „Rot-Weiß" setzte mit einer „Großen Jubiläums-Prunksitzung" im prächtig geschmückten „Musentempel" des Hotels „Viktoria" den närrischen Veranstaltungsreigen fort. Mit funkensprühenden Büttenreden, schwungvollen Ballettszenen, schnurrigen Liedvorträgen, deftig gepfeffert von urwüchsigem Humor, geschöpft aus dem Quell uralter Tradition, wurden die Versammelten in einer fünfstündigen „Non-Stop-Schau" ins Narrenparadies versetzt.

Prinzenpaar mit Garde

Unter den zackigen Klängen „Alter Kameraden", gespielt vom Musikverein, Leitung August Franck, fand sich der Elferrat zu seiner quicklebendigen Kabinettsitzung ein. Mit den Worten „Es geht wieder rund", gab Sitzungspräsident Hans Kaufmann den Startschuß. Mit dem ersten Takt des Narrhalla-Marschs erschienen sodann ihre Tollitäten Willi I. und Ursula II. mit dem höfischen Gefolge und grüßten das verrückte Auditorium. Nach der launigen Ansprache Willi's, legte Ursula jedem Ministerrat einen „Kälberstrick" um den Hals, an dem „pures" Gold baumelte. Die „Rot-Weiß"-Sänger (Klingbachlerchen) sangen im Gewände der Kosaken nach alten Melodien, neu getextet, wohlpräparierte „Sächelchen".

Eugen Betsch und Karlheinz Jopp „Zwei arbeitslose Handwerksleut aus Wörth" bestiegen als erste die Bütt. Sie lehrten, wie man mit allen Tricks, aber ohne Arbeit durch's Leben kommen kann. Daß sie mit allen Wassern gewaschen sind, sah man ihnen auf den ersten Blick schon an. Die Faschingsleitung zwischen Rülzheim und Wörth ist von Prinzessin Traudel der I. mit Hofstaat erkennen ließ.

Ein kongolesischer Neger (Marcel Schuschu) gloßierte auf treffliche Art und Weise die Entwicklungshilfe. Die erste vierstufige Rakete des Abends galt ihm. Mit Witz und Schliff, verbunden durch Kniffe aller Art, nahm Till Eulenspiegel (Alois Johann) das Spiel in der hohen Politik auf's Korn. Zielsicher meinte er zu den Wahlen: „Vielleicht wär's de annere besser gelunge, aber do esch ghupst wie geschprunge". Ein verschlafener Beamter (Günther Hartenstein), an Originalität nicht zu übertreffen, behauptete in beißender Selbstironie: „Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf."

Der Vertreter in Gastarbeitern, übrigens große Mangelware auf dem Arbeitsmarkt, ließ lauthals seinen Slogan „Hoppe, hoppe Reiter, erscht's Geld, dann die Gaschtarbeiter" ertönen. Wenn man hört, daß Wilfried Franck aus Wörth kommt, wundert es nicht. Maler Klecksel, (Willi Butzinger aus Wörth) zeichnete treffsichere Karikaturen über „Ihn und Sie". Eine Kindergärtnerin mit Schlüsselkindern (Erlenbach-Krabben aus Rheinzabern mit Boß Marcel Schuschu), erschien ebenfalls auf der Bildfläche. Die Parodien zu diesem Thema waren waschecht.

Warum der Sitzungspräsident seinen Elferrat „Zum Teufel" jagte, ging dem vor Heiterkeit und guter Laune überschäumenden Publikum erst auf, als ein attraktives und betörendes internationales Ballett auf die Bühne kam. Von der heißblütigen Spanierin bis zur glutäugigen Schönheit von Hawaii war alles vertreten. Der quicklebendige Tanz verfehlte seine Wirkung nicht. Der Thron des Sitzungspräsidenten stand minutenlang auf wackeligen Füßen. Schnodderig, von Schwächen geschüttelt, trug ein Alkoholiker (Karl-Heinz Pfeifer) zur Strapazierung des Zwerchfells bei. Sein „Manscht hab ich än Kater", kaufte ihm jeder ab.

Was das starke Geschlecht ist, zeigte Jiu-Jitsu-Kämpferin Liesel Rinio aus Wörth. Die sportlich-begabte nahm die Männer solange in den Würgegriff, bis sie das Zittern bekamen. Einmalig in der Geschichte der „Rot-Weißen" das Duo Marceil Schuschu und Marliese Büchle. Sie: „Ä Thema 's kann nur von de Mannsleit sei", worauf er jeweils zum Konterschlag ausholte. Kernig pointierte der Sitzungspräsident den Dialog: „Nett pixiert, was zwischen Mann und Frau passiert". Schuschu hatte zum elfjährigen Bestehen der KGR ein Hauslied gedichtet, das er selbst sang.- Die zündende Melodie verei¬nigte im Refrain jeweils das ganze Haus zu einem Chor. Der Pfälzer Krischer Götz König hatte dann wieder mit schillernden Glossen die Lacher auf seiner Seite. Er meinte unter anderem: „Hundehütte sind vor die Hunde und Wahlversprechungen vor die Katz".

Die „Rot-Weißen"-Sänger brachten zum Schluß einen Liederstrauß, dessen Texter Konrad Schwab und Vertoner Erwin Hartenstein sind. In dem „Höret Narren, laßt uns sagen, was die Narrheit uns befiehlt ..." wurde die Weltpolitik mit gut gezielten und sehr spitzen Pfeilen beschossen. Nach dem wahrhaft bunten Zauber, in dem jede Stimmungsbombe mitten ins Ziel ging und als Gegenreaktion ganze Batterien vierstufiger Raketen steigen ließ, kann die KGR für sich in Anspruch nehmen, eine Prunksitzung wie nie abgehalten zu haben.

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