Eigentlich wollten sie gar nicht prunken, zumindest nicht in einer Sitzung. Dann gaben die „rot-weißen" Karnevalisten aus Rülzheim doch dem Wunsch der Bürger nach und zogen noch einmal in den Viktoria-Saal mit Elferrat, Prinzenpaar und Büttenrednern. „Es soll das letzte Mal sein", meinte Sitzungspräsident Willi Kupper.

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Er hat schon recht, dieser Saal bringt keine Massen auf die Beine. Aber im nächsten Jahr dürfte auch noch kein größerer Raum in Rülzheim zu haben sein. Dann wird sich erweisen, ob Willi Kupper das letzte Wort gesprochen hat. Den Entschluß zur Sitzung dürften die Karnevalisten kaum bereut haben, wenn auch in den Tagen zuvor manches improvisiert werden mußte. So ein Unternehmen aus dem Handgelenk hat auch manches für sich. Und der kleine Saal in der großen Gemeinde sorgte für die Tuchfühlung. Da bedurfte es keiner Anfeuerungsrufe zum Trubel. Übrigens gehörte zu der flotten Vorbereitung nicht allein die Programmgestaltung, sondern auch die „Geburt" des Ordens 1964. In Handarbeit bei Tag und Nacht wurde dennoch nach dem Entwurf des Künstlerehepaares Brand ein prächtiges Stück hergestellt.

Und ein junges Prinzenpaar konnten die Rülzheimer auch mit Bernhard II. und Ursel I. präsentieren. Zum rechten Schwung war schließlich noch der Musikverein zur Stelle. Was konnte da schon schiefgehen? „Ministerpräsident" Kaufmann stellte sein närrisches Kollegium vor, und dann ging es Schlag auf Schlag bis nach Mitternacht.

Wie immer war den „Klingbachlerchen" Anfang und Ende vorbehalten. Sie kündeten das närrische Treiben an.Zum Schluß legten sie mit Pfiff die politische Platte auf. Mit gefeilten Reden brach Alois Johanns „Till" das Eis. das im gedrängten Raum ohnehin leicht schmolz. Marcel Schuschu brachte seinen „Italiano aus Milano" mit großem Temperament. Er kam auch noch einmal als „Trinkfester" wieder. Nach einigen Jahren war auch wieder Karl Liebel mit von der Partie als bajuwarischer Stammtischbruder. Als Debütanten stellten sich die Bänkelsänger Pfeifer und Kerner vor. Sie werden sicher auch in Zukunft mit dabei sein.

Ganz besonderen Beifall erhielt als Gast aus Rhodt des Ludwig Müllers „Feuerwehrmann". Die doofe Tour ist ihm auf die Nase geschrieben. Lokalkolorit brachte Eugen Seither. Und „Hausmetzger" Johann sowie des Hamburgers „Dienstmädchen" dürfen in der bunten Reihe nicht vergessen werden.prunksitzung64a