Wer nicht gewusst hätte, dass es sich bei der Prunksitzung des im Spätherbst 1960 gegründeten Germersheimer Karnevalvereins um die Jungfernfahrt des mit fünf Etagen eingerichteten Narrenschiffes und ein Programm, das in unwahr¬scheinlich kurzer Vorbereitungszeit geformt wurde, handelte, wäre der Meinung gewesen, ein schon lange eingespieltes Team der Narretei und Fröhlichkeit vor sich zu haben. Die Stadthalle war „knüppelvoll", das Motto (gleichzeitig die Auflösung des Preisausschrei¬bens) „Besser jetzt ä bissei närsch, wie ä Johr lang überzwerch" schien das Volk regelrecht angesteckt zu haben, es gab keinen Leerlauf und die gut fünf Stunden des Abends vergingen wie im Fluge. „Respekt, Respekt" hörte man überall — und das von Leuten, die nicht zum ersten Mal eine solche Veranstaltung besucht haben.

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Mit viel Applaus

„Was Euch Land und Bund bisher nicht gaben - von uns sollt Ihr die Brücke haben", Mit diesen Worten präsentierten die Rülzheimer Gäste Bürgermeister Jantzer ein gut zwei Meter großes Holzmodell der Rheinbrücke, deren Fehlen wiederholt erwähnt und bemängelt wurde. Mit sichtlichem Vergnügen durchschnitt das Stadtoberhaupt das Band und gab so die Brücke für den Verkehr frei. Die originelle und treffende Geste der Rülzheimer wurde stürmisch applaudiert. Um gleich bei den Rülzheimern zu bleiben: man merkt, dass sie schon Karnevalstradition haben, denn ihre Hofsänger, der „Böhme-Jakob" und die zwei „Kommis-Köpp" verrieten Können, Witz und eine genaue Kenntnis der Sorgen, wie sie die Germersheimer drücken.